August 05, 2020 by Qonto

Wie errechne ich die Selbstkosten richtig?

Zu Beginn steht jeder Unternehmer oder Selbstständige vor der schwierigen Frage, zu welchem Preis er seine Produkte oder Dienstleistungen anbieten sollte. Wie berechnet man die Selbstkosten? Und wie legt man anschließend den Verkaufspreis fest? 

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Um zu einem erfolgreichen Kostenmanagement und einer ordentlichen Preiskalkulation der eigenen Produkte oder Dienstleistungen zu kommen, mit der man sich erfolgreich auf dem Markt behaupten kann und auch noch den nötigen Gewinn macht, muss man unter anderem genau wissen, wie hoch die eigenen Ausgaben überhaupt sind. Dabei kommen die Selbstkosten ins Spiel.

Was sind Selbstkosten (SK)?

Unter Selbstkosten versteht man die Kosten, die bei der Produktion von Dienstleistungen oder Waren entstehen. Diese werden über die Selbstkostenrechnung oder Selbstkostenkalkulation, die auch Zuschlagskalkulation genannt wird, ermittelt. Diese ist somit ein betriebliches Instrument der Angebotspreisermittlung. Da in der Industrie und im Handwerk mehrere, oft ganz unterschiedliche Produkte hergestellt werden, führt die einfache Aufteilung von Gesamtkosten auf die jeweiligen Kostenträger zu einem zu ungenauen Ergebnis. Daher werden die Gesamtkosten in Einzel- sowie Gemeinkosten unterteilt. Diese sind Bestandteile und Themen der Kostenartenrechnung (KAR). Die Gemeinkostensumme sowie die Berechnung der Gemeinkostenzuschlagssätze ist in einem Betriebsabrechnungsbogen zu ermitteln. Insgesamt unterscheidet man einstufige und mehrstufige Zuschlagskalkulationen. Daneben wird noch zwischen summarischen, einstufigen und differenzierenden Zuschlagskalkulationen unterschieden.

Andere Posten wie steuerliche Verpflichtungen müssen separat berechnet werden und fließen zusätzlich in die Kostenanalysen und -planungen eines Betriebs ein. Ein wichtiges Stichwort für Unternehmer ist hier beispielsweise die Sollversteuerung sowie die Umsatzsteuervoranmeldung (bzw. Umsatzsteuer-ID sowie Reverse Charge bei EU-weitem Handel).

Die Selbstkosten bilden die Grundlage für jede Preiskalkulation

Dabei sind die Selbstkosten die Kosten, die bei der Leistungs- und Produkterstellung in einem Unternehmen anfallen. Dazu gehören zum Beispiel auch die Energiekosten, Personalkosten und Materialkosten. Wird eine Dienstleistung oder ein Produkt zu den Selbstkosten, also den Herstellungskosten des Unternehmers, verkauft, macht dieser keinen Gewinn. Denn mit dem Selbstkostenpreis kann dieser nur die Selbstkosten der Ware decken.

Selbstkosten (SK)

Beim Berechnen der SK unterscheidet man Gemeinkosten und Einzelkosten.

Einzelkosten

Diese können immer der hergestellten Ware direkt zugeordnet werden, sowohl was die dafür benötigte Menge als auch was den Rohstoffpreis betrifft. Beispielsweise stellen die dafür aufgewendeten Roh- und Hilfsstoffe die Materialeinzelkosten dar.

Die Gemeinkosten werden über einen Schlüssel verteilt

Materialgemeinkosten hingegen können nicht direkt einem Erzeugnis zugerechnet werden. Diese müssen vielmehr über einen Schlüssel auf mehrere Produkte verteilt werden, wie zum Beispiel Frachtkosten, Lagerkosten oder Verpackungskosten. Hat der Unternehmer beispielsweise zur Herstellung seiner Erzeugnisse 500 kg eines Rohstoffes gekauft, so müssen die Frachtkosten dafür anteilig auf die daraus hergestellten Erzeugnisse, je nach der Menge (Schlüssel) des dafür verwendeten Rohstoffes, umgelegt werden.

Betriebsarten

Bei der Kalkulation unterscheidet man drei Arten von Unternehmen: Dienstleistungsbetriebe, Fertigungsbetriebe und Handelsbetriebe.

Selbstkosten für Dienstleistungsbetriebe

Bei der Ermittlung der Selbstkosten für Dienstleistungsbetriebe müssen vor allem die Lohnkosten über die Faktoren Stundensatz und Arbeitszeit ermittelt werden. Anschließend sind Sonderkosten und Materialkosten hinzuzurechnen.

Die Berechnung der Selbstkosten sieht dann folgendermaßen aus:

  • Lohnkosten (Stundensatz x Stundenzahl)
  • + Materialeinkaufspreis
  • + Materialaufschlag
  • + Sondereinzelkosten der Fertigung
  • + Sondereinzelkosten des Vertriebs

Nachdem als Erstes die Lohnkosten durch die Multiplikation von Stundensatz und Stundenzahl errechnet wurden, wird anschließend alles Weitere an zusätzlichen Kosten dazu gezählt. Das ist einmal der Materialeinkaufspreis, der den Einkaufspreis für die verwendeten Materialien darstellt. Da das Unternehmen einen Unternehmergewinn erwirtschaften will und muss, wird dieser nicht 1:1 an die Kunden weitergegeben, sondern mit einem zusätzlichen Materialaufschlag. Dieser kann sich je nach Branche sehr unterscheiden. Die Sondereinzelkosten werden dann noch in Sondereinzelkosten (SEK) der Fertigung und des Vertriebs unterteilt. Zu den Sondereinzelkosten der Fertigung gehören unter anderem Werkzeugkosten, Wartungskosten für Maschinen und Aufwendungen für Analysen. Zu den Vertriebssondereinzelkosten zählen Zölle, Werbekosten und Verpackungsmaterial.

Selbstkosten für Fertigungsbetriebe

Diese setzen sich vor allem aus Produktionskosten, Herstellkosten und Materialkosten zusammen. Dazu kommen noch Vertriebs- und Verwaltungskosten. So sieht die Rechnung dann genau aus:

  • Materialausgaben (Einzelmaterialkosten und Materialgemeinkosten)
  • + Herstellkosten (Fertigungslöhne für Produktionsmitarbeiter, Fertigungsgemeinkosten wie Abschreibungen für Maschinen sowie Mietkosten für Produktionsgebäude und Sondereinzelkosten der Fertigung)
  • + Vertriebsgemeinkosten (Verpackungs- und Versandkosten)
  • + Verwaltungsgemeinkosten (Gehälter von Verwaltungsangestellten)
  • + Sondereinzelkosten Vertrieb (Zölle, Provision, Frachten usw.)

Selbstkosten für Handelsbetriebe

Die Berechnung dieser geht vom Warenpreis der eingekauften Produkte aus, die nun weiterverkauft werden müssen. (Ein wichtiges Thema bei Einnahmen in Bargeld ist hierbei der Kassenbericht.) Die zu erstellende Rechnung sieht dann folgendermaßen aus:

  • Zieleinkaufspreis (Warenpreis - Rabatt)
  • - Skonto ergibt den Einkaufspreis
  • + Bezugskosten ergibt den Bezugspreis
  • + Handlungskosten (ergibt die Selbstkosten)

Die Handlungskosten setzen sich aus allen Ausgaben zusammen, die nötig sind, um die Handlungsleistung zu erbringen. Das können Ausgaben für die Verwaltung, Werbungskosten, Lagerkosten, Raumkosten, Personalkosten (auch eventuelle Reisekosten), Verpackungskosten usw. sein. Diese Handlungskosten entsprechen den Verwaltungsgemeinkosten und Vertriebskosten in Fertigungsbetrieben.

Selbst- oder Herstellkosten, was ist der Unterschied?

Während es sich bei den Herstellkosten nur um die reinen Ausgaben für die Produktion handelt, dreht es sich bei den Selbstkosten um die Summe aller Ausgaben, die sich aus der Herstellung, dem Vertrieb und der Verwaltung ergeben.

Die Kosten- und Leistungsrechnung (KLR)

Natürlich ist es für jeden, der sich auf dem Markt mit seinen Produkten etablieren will, wichtig zu wissen, zu welchem Preis er diese in Rechnung stellt – natürlich immer mit Blick auch auf die Konkurrenten – und dabei trotzdem noch genug Überschuss erwirtschaften kann, um seinem Betrieb ausreichend liquide Mittel und dauerhaft eine Zukunft zu sichern. 

Allerdings sollte man dabei die Themen über die eigenen Aufwendungen nicht vollkommen isoliert betrachten, sondern vielmehr als Teil der Kosten- und Leistungsrechnung (KLR), was diese letztendlich ja auch sind. Denn die Kostenrechnung, auch als Kosten- und Leistungsrechnung bezeichnet, ist ein wichtiger Teil vom betrieblichen Rechnungswesen, das sich unter anderem der Planung, Information und Kontrolle von Ausgaben und Erlösen widmet. Zur Kostenrechnung wiederum gehören die beschriebenen Selbstkosten, die beim Anbieten von Dienstleistungen und der Produktion von Gütern entstehen. Insgesamt umfasst die KLR aber alle Kostenarten eines Unternehmens und gibt genau an, wo diese jeweils angefallen sind. Deshalb ist diese ein wichtiger Teil der betrieblichen Entscheidungsfindung und ist immer zusammen mit sämtlichen Aufwendungen zu betrachten.

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