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Wie Sie Ihre Liquidität nachhaltig planen

March 16, 2022 by Agicap

Unternehmen geraten oft in die Krise, weil sie keinen klaren Blick auf ihre Finanzen haben. Wenn die Zahlungsein- und Ausgänge auf den Geschäftskonten nicht transparent und schnell zur Verfügung stehen, kann die mangelnde Übersicht schnell zu Fehlentscheidungen für die Zukunft führen. Hier kommt eine nachhaltige Liquiditätsplanung gelegen. Der daraus resultierende Liquiditätsplan zeigt nicht nur den Ist-Stand über die finanzielle Situation des Unternehmens an, sondern erlaubt auch Prognosen über künftige Liquidität Szenarien. Der Beitrag zeigt, wie Sie dabei vorgehen sollten.

Warum die Liquiditätsplanung wichtig ist

Für eine erfolgreiche Unternehmensführung reicht es nicht aus, nur den Kontostand zu kennen. Vielmehr ist es wichtig zu wissen, aus welchen Geldströmen genau sich dieser zusammensetzt, also welche Einzahlungen und Abbuchungen regelmäßig und einmalig geschehen. Zwei Beispiele sollen dies verdeutlichen.

Plötzlich springt der Hauptkunde ab

Solange das Geschäft gut läuft und man alle Rechnungen bezahlen kann, ist doch alles in Butter, oder? Das kann über einen bestimmten Zeitraum gut gehen. Doch stellen Sie sich vor, Ihr Hauptkunde, der für ein Drittel Ihres Umsatzes verantwortlich ist, wechselt plötzlich zur Konkurrenz.

Können Sie dann genau abschätzen, welche Auswirkungen ein solches Ereignis auf Ihre Einnahmen haben würde? Wie lange hätten Sie Zeit, neue Kundinnen zu gewinnen bis Sie einen Kredit beantragen müssten? Warten Sie nicht, bis die Buchhaltung Sie auf dieses Problem hinweist. 

Lieferengpass – was nun?

Oder ein weniger extremes Beispiel: Der Lieferant eines produzierenden Betriebs kann die bestellten Teilstücke erst zwei Monate später liefern als geplant. Die Folge: Produktionsstopp. Die Kosten laufen aber weiter. Dadurch, dass das Unternehmen nicht weiter produzieren und nicht wie geplant an seine Kunden:innen ausliefern kann, hat es auch keine Einnahmen durch Kundenzahlungen. Kann das Unternehmen seine Kosten in den kommenden zwei Monaten decken oder muss es kurzfristig einen Überbrückungskredit aufnehmen? Die Zahlungsfähigkeit ist auf einmal nicht mehr gewährleistet.

Liquiditätsplanung erleichtert Entscheidungsfindung

Die Antwort auf all die obigen Fragestellungen kann die Liquiditätsplanung liefern. Sie sorgt dafür, dass Verantwortliche genau sehen, was in den kommenden Monaten an Einnahmen und Ausgaben zu erwarten ist.

Trifft etwas Unvorhergesehenes ein, lässt sich mithilfe der Planung besser abschätzen, was zu tun ist. Darüber hinaus hilft sie nicht nur, Liquiditätsengpässe zu vermeiden, sondern dient auch dazu, günstige Zeitpunkte für Investitionen abzuschätzen in Zeiten, wenn hohe Liquiditätsüberschüsse zu erwarten sind.

Was macht eine gute Liquiditätsplanung aus?

Um ein vollumfängliches Bild von der Unternehmensliquidität zu erhalten, müssen sämtliche ein- und ausgehenden Geldströme bekannt sein. Konkret heißt das, dass für die Erstellung der Liquiditätsplanung ein Blick in alle Geschäftskonten nötig ist und die Transaktionen innerhalb eines bestimmten Zeitraums (z.B. monatlich) zu erfassen sind.

Überblick über monatliche Einnahmen und Ausgaben verschaffen

Alle Einnahmen und Ausgaben pro Monat werden in einer Tabelle zusammengefasst und dann ein Monat Endsaldo berechnet, der positiv (Liquiditätsüberschuss) oder negativ (Liquiditätsdefizit) sein kann. Damit nicht jede Kontotransaktion separat in der Tabelle auftaucht, sollten Sie diese zu Kategorien zusammenfassen, beispielsweise so:

Einnahmen

  • Kundenzahlungen
  • Barzahlungen von Kunden:innen
  • Kassenbestände
  • Schecks
  • etc.

Ausgaben

  • Personalkosten
  • Gebäudemiete
  • allg. Betriebskosten (Strom, Wasser, Heizung)
  • Materialkosten
  • Marketingkosten
  • Kosten für Softwarelizenzen
  • etc.

Je nach Unternehmen gibt es noch viele weitere Einnahmen- und Ausgaben Punkte, die zu berücksichtigen sind. Wichtig ist vor allem, dass die Kategorien in Ihrer Planung Sinn ergeben und Sie gut damit arbeiten können.

Falls Sie noch nie eine solche Liquiditätstabelle erstellt haben, ist es ratsam, dies für die letzten sechs Monate zu tun, auch wenn es aufwändig ist. Sie werden dann aber monatlich wiederkehrende Muster erkennen (z.B. Fixkosten), die Sie dann bei Ihrer Planung genau in die Zukunft projizieren können.

Liquiditätsplanung erstellen

Für die Planung der Liquidität in den kommenden Monaten tragen Sie in Ihre Tabelle die erwarteten Einnahmen und Ausgaben ein. Je besser Sie die Geldströme in Ihrem Unternehmen kennen, desto leichter fällt Ihnen diese Abschätzung.

Für die Planung ist es wichtig, die zukünftigen Einnahmen und Ausgaben realistisch abzuschätzen. Schwankt Ihr Geschäft z.B. saisonal sollte dies mit entsprechenden Mehr- oder Mindereinnahmen in der Planung berücksichtigt werden.

Auf diese Weise erhalten Sie einen guten Überblick über Ihre Liquidität in den kommenden Monaten und können so häufig schon im Voraus erkennen, ob sich ein Liquiditätsengpass einstellen könnte. Damit verschaffen Sie sich wichtige Zeit zum Handeln.

Genauso erkennen Sie auch, wann Sie große Überschüsse zu erwarten haben. Dann können Sie sich im Vorfeld schon überlegen, wie Sie diese Überschüsse am besten in Ihrem Unternehmen arbeiten lassen, beispielsweise durch das Bilden von Rücklagen oder das Tätigen von Investitionen.

Digitale Tools zur einfacheren Liquiditätsplanung

Das Erstellen einer Liquiditätsplanung per Tabelle ist sehr mühselig, da man sämtliche Kontotransaktionen manuell eintragen und verrechnen muss. Das ist mitunter auch der Grund, warum viele Unternehmen ihre Liquiditätsplanung nur sporadisch durchführen, denn die Tabellen-Methode kostet viel Zeit.

Mittlerweile gibt es jedoch auch spezielle Liquiditätsmanagement-Software, die sich automatisch mit Ihren Geschäftskonten synchronisiert, von dort die Transaktionen abruft und dann gleich in die dafür vorgesehenen Kategorien einordnet. Die Liquiditätsplanung wird entsprechend aktualisiert und gibt jeden Tag den aktuellen Stand wieder.

Mit einer solchen Software lassen sich auch einfach verschiedene Liquiditäts Szenarien erstellen, in denen verschiedene Situationen durchgespielt werden können. Verantwortliche wappnen sich so bestens für die Zukunft und haben immer eine solide Datengrundlage, auf der sie Entscheidungen für ihr Unternehmen treffen.

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