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So finden Sie Ihre Steuerklasse heraus

April 11, 2022 by Qonto Deutschland

Mit dem Schritt in die Selbstständigkeit wird es beim Thema „Steuern“ ernst: Sie sind verpflichtet, Umsätze und Gewinne Ihres Unternehmens dem Finanzamt in Form einer Steuererklärung lückenlos und fristgerecht mitzuteilen und Ihre Steuern zu begleichen. Wie hoch diese ausfallen, wird auch von den individuellen Lebensumständen bestimmt.

In unserem Artikel klären wir, welche unterschiedlichen Steuerklassen es in Deutschland gibt, wie Arbeitnehmer ihre Steuerklasse herausfinden können – und warum Selbstständige bzw. Kleinunternehmer keine Steuerklasse haben.

Steuern? Sicher im Griff!

Was ist eine Steuerklasse?

Wieso gibt es überhaupt Steuerklassen? Sie dienen dazu, das Steuersystem zu vereinfachen. Dabei stehen die verschiedenen Klassen nicht für unterschiedliche Steuersätze. Vielmehr liegt der Unterschied in den vorab festgesetzten Freibeträgen, die das zu versteuernde Einkommen mindern und je nach Steuerklasse variieren.

Die Steuerklasse orientiert sich wiederum an den Lebensumständen des Steuerzahlenden. Dazu zählt zum Beispiel:  
- Ist die Person verheiratet, ledig oder geschieden? 
- Hat auch der Lebenspartner Einkünfte, die in der gemeinsamen Steuererklärung berücksichtigt werden müssen?
- Hat die Person Kinder? Wenn ja, wie viele?
- Ist die Person alleinerziehend? 
- Werden Einkünfte über einen Zweitjob erzielt?

Alle diese Faktoren haben Einfluss auf die tatsächliche Steuerbelastung von Angestellten und Selbstständigen und müssen zum Zeitpunkt der Steuerklärung mit berücksichtigt werden. 

Steuerklassen von Angestellten

Sie sind angestellt? Angestellte sind in der komfortablen Lage, keine Steuererklärung erstellen zu müssen. Sie erhalten jeden Monat eine Gehaltsabrechnung, auf der Steuern und Versicherungen bereits abgezogen sind. Die von Angestellten gezahlte Lohnsteuer ist „abgeltend”, das heißt, mit ihr werden alle Forderungen des Finanzamt erfüllt. Dies wiederum setzt voraus, dass Gehaltsabrechnungen präzise und möglichst umfassend die oben genannten Lebensumstände des Arbeitnehmenden berücksichtigen.

Damit Angestellte ihrem Arbeitgeber nun nicht regelmäßig private Details (etwa eine Scheidung oder die veränderte Jobsituation des Lebenspartners) mitteilen müssen, gibt das Finanzamt mit der Einteilung in 6 Steuerklassen eine Hilfestellung. Die Steuerklasse spiegelt die Lebensumstände von Arbeitnehmenden wieder und bestimmt die Höhe der zu zahlenden Lohnsteuer. Weiter unten klären wir, wie Sie Ihre Steuerklasse herausfinden können.

Welche Steuerklasse habe ich?

Jedem Angestellten wird pro Job eine von 6 möglichen Steuerklassen zugeteilt. Bei zwei gleichzeitig ausgeführten Tätigkeiten werden auch jeweils zwei unterschiedliche Steuerklassen vergeben. Ändern sich die eigenen Lebensumstände durch Hochzeit oder Geburt von Kindern, besteht die Möglichkeit eines Wechsels in einer andere Steuerklasse. Doch wie die eigene Lohnsteuerklasse herausfinden? Wir haben alle Klassen aufgelistet!

Steuerklasse 1 – Singles

Diese „Standard”-Steuerklasse vereint ledige, verwitwete und geschiedene Arbeitnehmer. Auch für verheiratete Arbeitnehmer gilt diese Klasse, wenn die Ehepartner dauerhaft getrennt leben oder ein Ehepartner im Ausland wohnt. 

Jährlicher Grundfreibetrag: 9.984 Euro (2022)

Steuerklasse 2 – Alleinerziehende

Fast identisch mit Steuerklasse 1, nur hat der Arbeitnehmer hier mindestens ein Kind, ist alleinerziehend und erhält den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende. Der Wechsel in die Steuerklasse 2 muss beantragt werden.

Jährlicher Grundfreibetrag: 9.984 Euro + 4.008 Euro Alleinerziehendenentlastungsbetrag (2022)

Steuerklasse 3 – Verheiratete, in Verbindung mit Steuerklasse 5

Diese Klasse kann von einem Ehepartner beantragt werden, der ein wesentlich höheres Einkommen als das des anderen Partners zu verzeichnen hat. Die Steuerklasse 3 ermöglicht eine geringere Besteuerung. Der schlechter verdienende Partner andere Partner kommt automatisch in die Steuerklasse 5.

Jährlicher Grundfreibetrag: 19.968 Euro & Pflicht zur Abgabe der Steuererklärung (2022)

Steuerklasse 4 – Verheiratete mit gleichem Gehalt

Diese Steuerklasse betrifft verheiratete Arbeitnehmer, wobei beide Ehepartner ein Einkommen erzielen und zusammenleben. Für Verheiratete ist die Klasse steuerlich von Vorteil, wenn beide Partner ähnlich viel verdienen. 

Jährlicher Grundfreibetrag: 9.984 Euro (2022)

Steuerklasse 5 – Verheiratete in Kombination mit Steuerklasse 3

Diese Steuerklasse tritt ein,  wenn bei verheirateten Arbeitnehmern beide Ehepartner ein Einkommen erzielen und der höher Verdienende die Steuerklasse 3 beantragt. Mit Steuerklasse 5 wird das geringere Gehalt zwar höher besteuert, dennoch lohnt sich die ⅗ Kombination bei großen Gehaltsunterschieden innerhalb eines Ehepaares.  

Jährlicher Grundfreibetrag: 0 Euro & Pflicht zur Abgabe der Steuererklärung

Steuerklasse 6 – Zweit- und Nebenjobs

Diese Steuerklasse gilt für Personen mit weiteren Jobs neben ihrer ersten Tätigkeit und geht mit den höchsten Abzügen von allen Klassen einher, denn hier gelten keinerlei Freibeträge. Das erste Arbeitsverhältnis fällt weiterhin unter Steuerklasse 1.

Jährlicher Grundfreibetrag: 0 Euro & Pflicht zur Abgabe der Steuererklärung

Was ist meine Steuerklasse? So orientieren Sie sich.

Zunächst können Sie ganz einfach die oben beschriebenen Steuerklassen durchgehen und prüfen, welches Profil auf Sie zutrifft. Alternativ können Sie Ihre Steuerklasse über die Gehaltsabrechnung herausfinden. Die Nummer Ihrer Steuerkategorie (wie auch Steuer-ID und Freibeträge) befindet sich auf Ihrer monatlichen Lohnabrechnung. Auch steht sie auf der jährlich vom Arbeitgeber ausgestellten elektronischen Lohnsteuerbescheinigung.

Haben Sie noch keine Gehaltsabrechnung bzw. Lohnsteuerbescheinigung erhalten? Dann erfragen Sie Ihre Steuerklasse am besten telefonisch beim zuständigen Finanzamt.

Steuerklasse für Selbständige?

Für viele Selbstständige sind Buchhaltung und Steuern ein leidiges Thema. Wer zuvor im Angestelltenverhältnis war, stellt sich mit Gründung des eigenen Unternehmens nicht nur die Frage nach der Kranken- und Rentenversicherung, sondern auch die nach der Steuerklasse und den zu entrichtenden Steuern. Kurz gesagt, es gibt keine Steuerklasse für Selbstständige. Denn diese unterliegen der Einkommenssteuerpflicht, und nicht der Lohnsteuerpflicht. Die Höhe der zu entrichtenden Steuer hängt dabei von Ihrer Tätigkeit ab. Je nach Rechtsform (siehe auch Besteuerung von Personengesellschaften) gehören auch die Umsatzsteuer (ausgenommen Kleinunternehmen) und die Gewerbesteuer zu den verpflichtenden Unternehmenssteuern. Einige Posten lassen sich wiederum von den Steuern absetzen.

Selbstständige (Freiberufler, Gewerbetreibende) zahlen ihre Steuern im Voraus, und zwar quartalsweise. Das wiederum setzt eine gute Planung und eine saubere Buchhaltung voraus. Erbrachte Dienstleistungen müssen korrekt in Rechnung gestellt werden, die Steuererklärung muss rechtzeitig und lückenlos erledigt werden, andernfalls häufen sich Zahlungsforderungen und Säumniszuschläge – und der Berg an steuerrelevanten Unterlagen wird immer größer. Unterstützung kann hier ein Buchhalter oder Steuerberater leisten. Das A und O für schnell erledigte Steuern bleibt aber eine klar geordnete Buchhaltung, die am besten schon ins Geschäftskonto integriert ist. 

Steuerklasse bei nebenberuflicher Selbständigkeit

Sind Sie angestellt und üben nebenberuflich eine selbstständige Tätigkeit aus, so ändert sich Ihre Steuerklasse nicht

Bei zwei gleichzeitig laufenden Angestelltenverhältnissen gilt für den Hauptjob die Steuerklasse, die auf Ihre Lebenssituation bzw. Familienstand zutrifft. Für den Nebenjob trifft in der Regel automatisch die Steuerklasse 6 zu, welche das zusätzlich erzielte Einkommen recht hoch besteuert. 

Selbstständige mit einem Hauptjob im Angestelltenverhältnis müssen für die selbstständige Tätigkeit die Einkommenssteuer entrichten und zahlen Steuern im Voraus. Diese sind also zusätzlich zu den monatlichen Abzügen durch die Lohnsteuer zu tragen. 

Hauptberuflich Selbstständige haben also keine Steuerklasse, während nebenberuflich Selbstständigen eine Steuerklasse für den Hauptjob zugeteilt ist, die aber nicht die Höhe ihrer Einkommenssteuer definiert. 

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