July 09, 2020 by Qonto

Steuern und Steuerfreibeträge bei Freiberuflern

Welche Steuern müssen Freiberufler entrichten? Von welchen Freibeträgen können sie profitieren? In diesem Artikel beantworten wir Ihre Fragen.

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Freiberufler, die eine selbstständige Tätigkeit ausüben, um damit einen Gewinn zu erzielen, müssen kein Gewerbe anmelden. Egal ob Steuerberater, Ärzte, Krankengymnasten, Dolmetscher, Rechtsanwälte oder Angehörige einer anderen Fachrichtung: Freiberufler üben prinzipiell eine nicht gewerbliche Tätigkeit aus. Dabei ist es gleichgültig, ob sie haupt- oder nebenberuflich arbeiten. Sie unterliegen somit auch keiner Gewerbesteuer. Allerdings haben sie eine Reihe anderer Steuern zu entrichten.

Welche Steuern müssen Selbstständige entrichten?

Freiberufler und Selbstständige sollten sich nicht nur mit Umsatzsteuer, Einkommensteuer und Vorsteuer auskennen, sondern auch die Termine kennen, an denen sie diese Steuern voranmelden und vorauszahlen müssen. Natürlich haben sie immer die Möglichkeit, sich von einem Steuerberater beraten zu lassen, der die Steuererklärung und Buchhaltung übernehmen bzw. wertvolle Tipps zum Steuernsparen geben kann.

Die Umsatzsteuer

Die Umsatzsteuer wird in Deutschland auf sämtliche Dienstleistungen und Waren erhoben und ist, wirtschaftlich betrachtet, eine Mehrwertsteuer. Die Umsatzsteuer fällt nur für im Inland getätigte Umsätze an, deren Regelsatz bei 19 Prozent liegt. Bücher und viele Lebensmittel haben einen ermäßigten Satz von sieben Prozent. Der Freiberufler schlägt diese auf seine Rechnung auf, die er aber nicht einbehalten darf, sondern an das Finanzamt abführen muss.

Aktuell gilt ab dem 1. Juli 2020 aufgrund der Corona-Krise eine niedrigere Mehrwertsteuer. Der reguläre Satz sinkt dabei von 19 auf 16 Prozent, der ermäßigte von 7 auf 5 Prozent. Dabei können Selbstständige selbst entscheiden, ob sie diese Ermäßigung an die Kunden weitergeben oder zur Stabilisierung der Finanzen ihres Business selbst einbehalten.

Die Senkung des Mehrwertsteuersatzes schreibt sich in eine ganze Reihe von staatlichen Maßnahmen zur Soforthilfe und finanziellen Unterstützung von Unternehmern, Freiberuflern und Solo-Selbstständigen ein, beispielsweise in Form von Zuschüssen und Fördermitteln. Auf diese Weise finden Selbstständige Unterstützung in schweren Zeiten.

Die Umsatzsteuer-Voranmeldung

Die Umsatzsteuer-Voranmeldung hat der Freiberufler selbst einzureichen. Die Stichtage dafür sind die folgenden:

  • 10. März
  • 10. Juni
  • 10. September
  • 10. Dezember

Ob sie pro Jahr, Quartal oder Monat eingereicht werden muss, hängt von der Höhe der Steuerschuld ab.

  • Liegt der Betrag der Steuerschuld des vergangenen Jahres über 7.500 Euro, ist die Umsatzsteuer-Voranmeldung monatlich zu tätigen.
  • Liegt dieser zwischen 1.000 Euro und 7.500 Euro, ist die Voranmeldung lediglich quartalsweise einzureichen.
  • Lag die Steuerschuld im vergangenen Kalenderjahr unterhalb von 1.000 €, kann der Freiberufler von der Voranmeldung befreit werden und zahlt seine Steuern dann einmal jährlich mit der Steuererklärung. Am Jahresende ermitteln die Finanzbehörden dann anhand der tatsächlichen Steuerschuld, welcher Umsatzsteuerbetrag davon abgeführt wurde. Im Worst Case bleibt dem Freiberufler nur eine Nachzahlung übrig. Andernfalls erhält dieser den zu viel gezahlten Geldbetrag zurück.

Soll- oder Ist-Versteuerung?

Der Hauptunterschied zwischen der Soll- und der Ist-Versteuerung liegt im Zeitpunkt, an dem die Umsatzsteuer-Voranmeldung vorzunehmen ist. Schreibt der Freiberufler eine Kundenrechnung beispielsweise Mitte April, ist bei der Soll-Versteuerung bereits am 10. Mai die Umsatzsteuer-Voranmeldung dafür einzureichen und zu entrichten, auch wenn der Kunde erst zwei Monate später den Betrag zahlen sollte. Einen Anspruch auf Dauerfristverlängerung hat er nicht mehr. Der Freiberufler tritt also in Vorleistung. 

Daher kann es für Freiberufler günstiger sein, die Ist-Versteuerung zu nutzen. Dies ist besonders dann der Fall, wenn es sich in der Regel um hohe Forderungen handelt, die somit die Einkünfte des Freiberuflers stark belasten. Bei der Ist-Versteuerung sind die Umsatzsteuern erst abzuführen, nachdem der Kunde bezahlt hat.

Die Einkommensteuer, EStG (Einkommensteuergesetz)

Die Einkommensteuer orientiert sich an den erwirtschafteten Einnahmen. In der Einkommensteuererklärung wird speziell der Gewinn betrachtet, also die Differenz zwischen Umsatz und Kosten. Das bedeutet, dass mit mehr Gewinn der persönliche Steuersatz steigt. Gleichzeitig können gewisse Ausgaben wie Werbekosten oder Kosten für einen Dienstwagen von den Steuern abgesetzt werden.

Dabei gilt zu beachten: Die Selbstständigkeit melden Freiberufler immer mit einem Schreiben beim Finanzamt an, wo in einem auszufüllenden Fragebogen zur steuerlichen Erfassung die erwarteten Einkünfte anzugeben sind. Diese sollten nicht zu optimistisch prognostiziert werden. Denn anhand dieser Angaben wird die zu zahlende Steuer berechnet. Fallen die Gewinne zum Jahresende geringer aus als gedacht, muss die Steuer aber zunächst unterjährig vorausgezahlt werden.

Zur genaueren Berechnung kann ein Einkommensteuerrechner hilfreich sein.

Die Vorsteuer

Die Umsatzsteuern sind für die Freiberufler das Gegenteil zu den Vorsteuern, denn die Vorsteuern dürfen sie verrechnen. Die Vorsteuer ist in sämtlichen Ausgaben enthalten, die Freiberufler im Rahmen der eigenen Selbstständigkeit tätigen. 

So wird die Vorsteuer ermittelt: Um selbst Leistungen anzubieten, nehmen die Freiberufler meist Dienstleistungen und Waren anderer Unternehmen in Anspruch. Dafür werden von den Lieferanten die Umsatzsteuern in Rechnung gestellt. Diese Umsatzsteuerbeträge können die Freiberufler dann als Vorsteuern gegenüber den eigenen zu entrichtenden Umsatzsteuern nutzen und verrechnen.

Vorauszahlung der Vorsteuer

Eine Vorauszahlung wird festgesetzt, wenn sie im Kalenderjahr mindestens 400 € betragen würde und bei einem Vorauszahlungstermin mindestens 100 € zu entrichten wären. Hier richtet sich die Vorauszahlungshöhe nach dem erzielten Einkommen und dem, was bei der vorigen Veranlagung erzielt wurde. Die Voranmeldungsfristen liegen jeweils am 10. zu Quartalsbeginn.

Welche Freibeträge können Freiberufler geltend machen?

Neben den klassischen Freibeträgen für Selbstständige gibt es noch viele weitere. Dazu gehört zum Beispiel auch ein Freibetrag für Veräußerungsgewinne. So können Freiberufler die infrage kommenden Steuerfreibeträge ausschöpfen.

Der Grundfreibetrag

Ein Beispiel: Lagen die Einnahmen, die eigentlich zu versteuern sind, 2019 unterhalb von 9.168 Euro pro Jahr, dann sind keine Steuern zu entrichten, da das dem sogenannten Grundfreibetrag entspricht. Dieser Freibetrag steht allen steuerpflichtigen Personen zu. Er beläuft sich auf 18.366 Euro für Verheiratete und 9.168 Euro für Ledige (Stand ab April 2019). Mit diesem steuerfreien Freibetrag soll das Existenzminimum gesichert werden. Damit sind Unternehmen erst einkommensteuerpflichtig, wenn diese einen den Freibetrag übersteigenden, höheren Betriebsgewinn erwirtschaften. Dieser Grundbetrag gilt immer, egal ob Freiberufler oder Gewerbetreibender. 

Der Grundfreibetrag wird vom Finanzamt automatisch berücksichtigt und muss nicht extra beantragt werden. Wenn die Einkünfte diesen Betrag übersteigen, wird man von der Behörde darauf hingewiesen, genügend Geld für die Zahlungen ans Finanzamt zurückzulegen, um keine Probleme bei der Begleichung der Steuerschuld zu bekommen.

Umsatzsteuerfreibetrag (§ 19 UStG), Kleinunternehmerregelung

Wenn der Umsatz für umsatzsteuerpflichtige Leistungen im Jahr zuvor eine Höhe von 17.500 Euro nicht überstiegen hat und im bereits laufenden Jahr voraussichtlich 50.000 Euro nicht überschritten werden, kann die Kleinunternehmerregelung in Anspruch genommen werden. Allerdings ist man dann in den nächsten fünf Jahren an diese Entscheidung gebunden. 

Selbstständige mit gewerblichen oder freiberuflichen Tätigkeiten müssen der Finanzbehörde also mitteilen, ob sie als umsatzsteuerpflichtige Vollkaufleute oder als Kleinunternehmer mit Umsatzsteuerfreibetrag unternehmerisch tätig sein wollen. Wer als Kleinunternehmer tätig ist, muss in seinen Abrechnungen keine Umsatzsteuern berücksichtigen, kann dann aber keine Vorsteuer abziehen.

Freibetrag Veräußerungsgewinne (§ 16 Abs. 4 EStG)

Ein Freiberufler, der sein erfolgreiches Unternehmen später wieder gewinnbringend verkaufen will, muss in diesem Fall auch eine Steuer auf die hierdurch erzielten Einnahmen entrichten. Zu einer Steuererleichterung kann es aber kommen: Um in den Genuss von einem Freibetrag für Veräußerungsgewinne zu kommen, muss der Unternehmer bereits 55 Jahre alt sein oder als dauerhaft berufsunfähig gelten. Dann dürfen von dem durch den Unternehmensverkauf erzielten Geld 45.000 Euro abgezogen werden. Ist jemand beim Unternehmensverkauf besonders erfolgreich und erzielt einen Veräußerungsgewinn in Höhe von 136.000 Euro, gilt ein reduzierter Freibetrag von 31.000 Euro. Sofern mehr als 181.000 Euro eingenommen werden, entfallen jegliche Freibeträge für Selbstständige.

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