September 16, 2020 by Qonto

Pfändung Geschäftskonto – was nun?

Werden offene Rechnungen nicht bezahlt, flattert schnell ein Mahnbescheid ins Haus. Ohne Reaktion, kann es zur Pfändung des Geschäftskontos kommen. Was nun?

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Das Geschäftskonto ist für jeden Selbstständigen unverzichtbar für jegliche finanzielle Belange: Ganz egal, ob zur Einlagerung des Geschäftskapitals, ob für geschäftliche Transaktionen oder für andere Zwecke – ohne ein Geschäftskonto geht in der heutigen Zeit nichts in einem Unternehmen. So versteht es sich von selbst, dass eine Pfändung des Geschäftskontos eine nicht zu unterschätzende Bedrohung für die Existenz darstellen kann. Wenn einem dies als Selbstständiger tatsächlich passiert, ist es erst einmal das Wichtigste, Ruhe zu bewahren. Wir zeigen, wann ein Geschäftskonto vom Pfänden betroffen sein kann und wie man darauf richtig reagiert. 

Was passiert bei einer Pfändung des Geschäftskontos?

Wenn Mahnbescheide nichts nützen und keine Reaktion erfolgt, muss damit gerechnet werden, dass der Gläubiger einen gerichtlichen Beschluss zur Pfändung erwirkt. Dies bedeutet im schlimmsten Fall, dass das gesamte auf dem Geschäftskonto liegende Kapital eingezogen wird. Überweisungen oder Auszahlungen können dann nicht durchgeführt werden. Dass dadurch auch weitere Rechnungen nicht mehr bezahlt werden können, sorgt oft für noch mehr Probleme.

Wenn ein Gläubiger einen Pfändungsbeschluss erwirkt, wird dieser unmittelbar an die Bank weitergeleitet. Das Guthaben wird gepfändet und dann innerhalb 14 Tagen direkt an den Fordernden überwiesen.

Wie reagiert man am besten auf eine Geschäftskonto-Pfändung?

Prinzipiell ist es natürlich immer am sinnvollsten, es erst gar nicht zur Pfändung eines Geschäftskontos kommen zu lassen. Ein Mahnbescheid darf in diesem Fall nicht einfach ignoriert werden. Stattdessen sollte der Kontakt zu den Gläubigern gesucht werden. Viele sind dazu bereit, eine Ratenzahlung zu vereinbaren – dies ist ihnen immer noch lieber, als überhaupt kein Geld zu erhalten und den gerichtlichen Weg gehen zu müssen. Wenn es jedoch dafür schon zu spät ist, hat man als Unternehmer die Möglichkeit, sein Konto bis zu einem speziellen Grundfreibetrag vor der Pfändung zu bewahren.

So gewährt das deutsche Gesetz Privatpersonen und Selbstständigen, ein Firmenkonto in ein P-Konto (Pfändungsschutzkonto) umzuwandeln. Dies bedeutet: Ein Girokonto kann man bis zu einem Grundfreibetrag von derzeit 1.073,88 Euro nicht pfänden. Dieser Freibetrag dient dazu, die Existenz des Unternehmers zu bewahren und kann auch nicht vom Finanzamt eingezogen werden. 

Geschäftskonto eröffnen trotz Pfändung?

Einfach das Girokonto zu wechseln, ist im Falle einer Kontopfändung eine häufig angewandte Taktik. Wer es nicht geschafft hat, ein Pfändungsschutzkonto zu eröffnen, kann dies dann immer noch tun und Geldeingänge auf das neue Konto umleiten. Wichtig: Bevor Sie das neue Konto eröffnen, sollten Sie Ihrer Bank die Frage nach möglichen Kooperationen stellen, da das neue Konto in keinem Fall bei derselben Bank bzw. einer kooperierenden Bank eröffnet werden sollte. Wenn sich die Banken in einer Allianz befinden und zur Vermeidung von Betrug miteinander arbeiten, kann es passieren, dass die Forderungen auch vom neuen Girokonto sofort eingezogen werden. Zur Sicherheit können Unternehmer bei florierendem Geschäft auch ihre Hausbank fragen und ein P-Konto (= Pfändungsschutzkonto) beantragen. In diesem Fall wird das geschäftliche Girokonto einfach umgewandelt. Die Antworten fallen häufig unterschiedlich aus. Ganz wichtig ist hierbei, dass es sich um ein Businesskonto ohne Schufa handelt, denn eine Pfändung bringt immer einen Schufa-Eintrag mit sich (viele Banken bzw. Online-Banken bieten ein Firmenkonto trotz Schufa-Eintrag an). 

Konto eröffnen trotz Schufa und Pfändung? Die Lösung ist hier das P-Konto.

GmBH & Co. – Wer darf ein Pfändungsschutzkonto eröffnen?

Zur Einrichtung eines Pfändungsschutzkontos ist Folgendes eine Grundvoraussetzung: Es muss sich beim Kontoinhaber um eine natürliche Person handeln. Ist es dagegen eine Unternehmensgesellschaft (UG) oder GmbH, handelt es sich um eine juristische Person und ein Businesskonto kann nicht in ein P-Konto umgewandelt werden. Auch die Eröffnung eines neuen P-Kontos ist dann nicht möglich. 

Zu beachten gilt darüber hinaus: Jede Person darf nur ein einziges P-Konto führen. Dies kann das eigene Privatkonto oder auch das Geschäftskonto sein. In vielen Fällen versuchen Gläubiger, offene Forderungen über beide Konten einzuziehen. Daher sollte man sich gut überlegen, welches Girokonto das pfändungssichere sein soll. 

Zudem gibt es noch einen cleveren Trick: Weil man als Einzelunternehmer oder Freiberufler (wie auch Inhaber einer GbR) nicht dazu verpflichtet ist, ein Firmengirokonto zu führen, kann man die Möglichkeit nutzen, die beiden Konten zusammenzuführen und ein Konto zu kündigen. Auf diese Weise lässt sich sogar sehr gut von einem Pfändungsschutzkonto profitieren, allerdings müssen berufliche und private Transaktionen dann mit mehr Aufwand voneinander getrennt werden. Generelle Empfehlung bleibt daher, mit Beginn der Selbstständigkeit ein separates Geschäftskonto zu führen.

Pfändung Geschäftskonto: Wie viel Geld darf vom Girokonto gepfändet werden?

Allgemein kann bei einem Pfändungsschutzkonto lediglich die Summe gepfändet werden, die höher als der Pfändungsfreibetrag ist. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass der Unternehmer auch weiterhin Fixkosten wie Miete oder laufende Versicherungen bezahlen kann. Wenn sich also zum Beispiel auf einem Geschäftskonto 2.000 Euro befinden, darf der Eintreibende maximal 996,12 Euro abheben – der Rest fällt unter den Grundfreibetrag. 

Wie lange eine Kontopfändung in Anspruch nimmt, hängt vom individuellen Fall ab. Prinzipiell dauert sie aber immer so lange, bis die Schuld komplett beglichen ist – das kann mit einer einzigen Zahlung erfolgen, aber durchaus auch mehrere Jahre dauern, sollte sich nie genügend Guthaben auf dem Girokonto befinden. 

Wie sich der Grundfreibetrag erhöhen lässt

Liegen Unterhaltsverpflichtungen vor, erhöht sich der Grundfreibetrag entsprechend. Denn eine Kontopfändung darf nicht bedeuten, die Geschäftstätigkeit aufgeben zu müssen. Mitarbeitergehälter, die Miete für Büros, Steuern und andere betriebsnotwendige Kosten (wie z.B. Kontoführungsgebühren) müssen erhalten bleiben. Erst dann, wenn diese Kosten bezahlt sind, kann man antworten und der Fordernde sein Geld erhalten. 

Fazit: Auch bei einer Kontopfändung gibt es Lösungen

Sofern Forderungen von Gläubigern berechtigt sind, genügt ein neues P-Konto allein nicht. Vielmehr verschafft man sich damit etwas Zeit und sichert sich erst einmal nötige Geldsummen. Sicher ist: Die Pfändungen werden auch weiter bestehen. Damit man aber nicht ewig in der Schuldenfalle bleibt, ist es ratsam, sich umgehend an eine Schuldnerberatung zu wenden oder auch einen außergerichtlichen Vergleich der Schulden anzustreben. So hat man die Möglichkeit, so bald wie möglich wieder schuldenfrei zu sein.

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